Aufstand der Rebellen – Wie wir unsere Kinder (manchmal) zum Glück zwingen

Unsere Kinder reagieren seit geraumer Zeit auf sämtliche von uns geplanten Ausflüge vorrangig mit Skepsis, die leider allzu oft in heftigen Widerstand umschlägt. Ich könnte eigentlich nicht sagen, dass eine negative Erfahrung der Auslöser für dieses Verhalten wäre – auch, wenn es natürlich vorkommt, dass so ein Ausflug nicht genau läuft wie in ihrer Fantasie ausgemalt. Im Artikel Von Wanderlust und Wanderfrust hatte ich ja bereits angedeutet, dass es wichtig ist, auf die Kinder einzugehen und ihre Wünsche bei der Freizeitgestaltung miteinfließen zu lassen. Doch obwohl wir dies als Eltern versuchen, kommen wir meist nicht um den ersten Aufstand drum herum. Ein solch oft 30-minütiger Vorspann zu diversen Outdoor Aktivitäten lief bis vor einiger Zeit eigentlich immer nach demselben Schema ab.

In Phase 1 folgte auf „Burschen fertig machen, wir gehen in den Wald“ schlichte Ignoranz. Phase 2 („Ihr geht mit!“) begann mit einem momentanen Schockzustand, der rasch in erste Formen verbalen Protests umschlug. Phase 3 läutete die Totalverweigerung ein, die ihre Klimax in hysterischem Geschrei („WARUM??!!! Warum nur??!!!“), Geheul und ersten physischen Attacken gegen Möbel (Türen,…) fand, sodass Phase 4 ein körperliches Einschreiten eines Elternteils notwendig machte, um hinter Barrikaden zu gelangen und brüllenden Kindern Hilfeleistung beim Verlassen des Hauses zu bieten. In Phase 5 (im Auto) herrschte stets allgemeines Schweigen bis sich in Phase 6, angekommen im Wald oder am Berg, innerhalb kürzester Zeit die Wogen glätteten und nach weiteren 30 min gefragt wurde: „Wir gehen jetzt aber nicht schon wieder zurück zum Auto, oder?“.

Im Zuge etlicher Gespräche mit Freunden wurde mir bewusst, dass dies anscheinend nicht nur bei uns der Fall war, sondern viele (Schul)Kinder, gelinde ausgedrückt, erstmal mit wenig Begeisterung auf die Pläne ihrer Eltern reagieren. Vielleicht ist es die Ungewissheit, die ihnen Sorgen bereitet und derartige Emotionen auslöst, vielleicht auch die Angst, zuhause etwas zu versäumen. Wer den ganzen Nachmittag im Wald oder am Berg verbringt, kann schließlich nicht ganz so viel fernsehen, zocken oder einfach nur frei spielen wie üblicherweise.

Wenn der Widerstand einmal nicht so heftig ausfällt oder überhaupt ausbleibt (Pubertierende bleiben von diesem Fall ausgenommen), ist die Freude auf Elternseite riesengroß. Denn eine Auseinandersetzung kann einem ziemlich viele Nerven kosten, will man doch eigentlich nur das Beste für seine Kinder. Und genau darin liegt die Krux der Sache. Manchmal ist es einfach notwendig, GEGEN den Willen der Kinder zu handeln um schlussendlich FÜR ihr Wohl zu sorgen. Nun lässt sich natürlich darüber streiten, ob man Menschen zu ihrem Glück zwingen kann oder darf. Denn grundsätzlich ist es ja gut, wenn die persönliche Befindlichkeit und individuelle Bedürfnisse (Stichwort „bedürfnisorientiert“) im Vordergrund stehen. In vielen Fällen handelt es sich jedoch um impulsive Wünsche der Kinder, mit denen wir als Eltern konfrontiert werden. Diese von tatsächlichen Bedürfnissen unterscheiden zu können, dabei Fingerspitzengefühl zu zeigen und je nach Situation entsprechend zu agieren – genau darin liegt die Schwierigkeit des Elternseins.

Belohnt wird man dann, wenn ein solch anfangs verteufelter Ausflug, der mit Streit, Stress und Stunk begann, schlussendlich doch zu einem unvergesslichen, schönen Erlebnis wird. Dann ist man im Anschluss als Eltern glücklich, das (unnötige) Drama durchgestanden zu haben und als Kind froh, doch mitgekommen zu sein. Aber wie heißt es so schön? Im Nachhinein ist man immer schlauer.

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