Baby abhalten – Mein „Windelfrei – light“

„Wie du dein Baby richtig abhältst“ stand da. Mein erster Gedanke (als Mutter von mittlerweile immerhin 4 Kindern): „Hä? Wovon soll ich denn mein Baby abhalten?“ Tatsächlich war mir der Ausdruck in 16 Jahren noch nie untergekommen. Aber man lernt ja nie aus. Also wurde rasch mal gegoogelt und ich staunte nicht schlecht.

Das Konzept „Windelfrei“ war mir ja schon lange ein Begriff. Das war etwas für Birkenstock tragende Ökofreaks und bindungsorientierte Vollzeitmamis, die nichts anderes zu tun hatten, als ununterbrochen ihr Kind im Tragetuch rumzuschleppen und auf seine „Signale“ zu achten. Lauter überzeugte, zumeist vegane Umweltaktivisten und Impfgegner in einem plastikfreien Haushalt, die verschmutzes Babygewand aus dem Naturladen mit schadstofffreien Waschnüssen reinigen. So meine These. Nun. Es stellte sich heraus: Meine These war falsch.

Oft bekommen wir von Dingen den falschen Eindruck, weil das Umfeld (meist ohne selbst damit Erfahrung zu haben!) ihre ach so qualifizierte Meinung lauthals kundtut und Dinge schlecht redet bzw. Alternativen propagiert (kommt gern auch beim Stillen vor, zum Beispiel). Wenn ich aber eines in den letzten 16 Jahren als Mama gelernt habe: Um sich selbst ein Bild machen und Ratschläge erteilen zu können, muss man Dinge auch selbst erlebt und versucht haben.

Wenn man mich also nach Stoffwindeln fragt, werde ich weder dafür noch dagegen sprechen, da ich mich selbst nie daran versucht habe. Ich wickle, dazu stehe ich, auch unser 4. Kind mit Wegwerfwindeln, aber – und jetzt kommen wir zum springenden Punkt – versuche natürlich den Aufwand (Zeit, Kosten, Müll) so gering wie möglich zu halten. Da kam mir das Konzept „Windelfrei“ gerade recht. Bloß halt mit Windel. Ich nenne es „windelfrei light“ und es ist wie so ziemlich alles in der Erziehung meiner Kinder auf meinem eigenen Mist gewachsen, ohne, dass ich Ratgeber zu diesem Thema studiert hätte. Mein einziger treuer Ratgeber sind nach wie vor mein Hausverstand und mein Bauchgefühl.

Nachdem ich also feststellte, dass mein Säugling jeden Morgen kräftig in die Windel donnerte und es regelmäßig zu Überflutungen kam, wenn ich ihn in der Hocke auf meinem Schoß hielt, dachte ich mir: „Warum das Ganze nicht am WC versuchen?“ Siehe da, bereits der erste Versuch klappte problemlos. Ich war begeistert.

Mit 3 1/2 Monaten war der Zwerg handlich genug, um ihn gut in Position halten zu können (siehe Fotos) und es entwickelte sich rasch ein Ritual – welches anfangs, wohlangemerkt, von sämtlichen Familienmitgliedern belächelt wurde. „Du machst WAS? Du gehst mit ihm aufs Klo?! Das ist ein Scherz, oder?“ Dabei ist das Ganze vollkommen stressfrei. Um ehrlich zu sein, achte ich auch nicht sonderlich auf großartige Anzeichen des Kindes, sondern suche einfach immer morgens nach dem Aufwachen und auch tagsüber nach längeren Schläfchen oder nach ausgiebigen Stillmahlzeiten das Badezimmer auf und biete meinem Kind die Möglichkeit sich ohne Windel zu erleichtern.

Nach nun über 3 Monaten kann ich euch sagen: Es klappt einwandfrei und dauert meist nicht länger als eine volle Windel zu wechseln – von denen ich im Übrigen schon unzählige gespart habe. Oft bleibt sogar die Nachtwindel trocken und kann weiter verwendet werden. Nach kurzer Zeit schien mein Kind also bereits konditioniert auf das stille Örtchen und wartet seitdem regelrecht darauf, bis ich die Windel abnehme und wir gemeinsam am WC sitzen. Natürlich wird immer überschwänglich gelobt, wenn das Geschäft ins Klo erledigt wird – ähnlich diesen Töpfchen, die zu singen beginnen, wenn etwas rein geht.

Ein positiver Nebeneffekt: Feuchttücher brauche ich so gut wie gar keine mehr, weil natürlich auch der Po kaum schmutzig wird und leicht mit normalem WC Papier gereinigt werden kann, das ich gegebenenfalls mit Wasser vom Bidet anfeuchte. Die Windel komplett wegzulassen kommt für mich persönlich nicht in Frage, weil natürlich öfters mal zwischendurch paar Tröpfchen rein gehen und ich mir noch mehr Wäsche ersparen möchte. Aber wie gesagt, ich benötige ein Minimum an Wegwerfwindeln und kaum Feuchttücher mehr.

Für mich persönlich war und ist dieser Versuch im Übrigen eine der besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe und es tut mir wirklich leid, dass ich nicht bereits bei meinen drei großen Kindern von dieser unkomplizierten Möglichkeit wusste. Ich werde das hier jedenfalls definitiv weiter durchziehen – und damit zeigen, dass sich manche, scheinbar widersprüchliche Konzepte gar nicht ausschließen müssen. Wegwerfwindeln und Abhalten sind in der Tat kompatibel. Man lernt nie aus.

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