Distance Learning – Ende. Meine Bilanz als Mutter von 3 Schülern

Mit dem heutigen Zeugnistag endet für meine 3 ältesten Kinder auch eine lange Phase des Distance Learnings (weithin auch als Homeschooling bezeichnet). Zeit also, auf die letzten Monate zurückzublicken und Bilanz zu ziehen. Welche Vor- und Nachteile ergaben sich für meine Kinder aus der Situation und wie könnte dies in Zukunft vielleicht für den regulären Unterricht von Bedeutung sein? Denn fest steht: das Schulwesen wird der vorerst bewältigten Krise nicht ohne Veränderungen entkommen. So hoffe ich zumindest.

Die erste Tatsache, die sich nicht nur im Schul-, sondern auch im Berufswesen rasch herauskristallisierte: Dinge, die noch vor einem halben Jahr unmöglich erschienen, wurden in kürzester Zeit und ohne viel bürokratischen Hickhack umgesetzt. Plötzlich konnte alles von zuhause aus erledigt werden – die notwendige technische Ausrüstung vorausgesetzt. Unser Haushalt verfügt glücklicherweise über ausreichend Ressourcen (Hardware, Internet), sodass alle drei Kinder autonom arbeiten konnten. Aufgrund des Familienzuwachses entschlossen wir uns übrigens, das Homeschooling bis zum Ende des Schuljahres fortzuführen.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten – es war ja quasi der Sprung ins kalte Wasser – klappte der Fernunterricht auch nahezu reibungslos. Jeder bekam seine Arbeitsaufträge vom jeweiligen Lehrer übermittelt und machte sich im Laufe des Vormittags daran diese sorgfältig zu bearbeiten. Die 2 ältesten Kinder sorgten eigenständig dafür, dass die Aufgaben auch fristgerecht retourniert wurden. Die Abgaben des Volksschülers, die er auf Papier brachte, erledigte ich am PC.

Der wohl größte Vorteil, den meine Kinder dabei genossen, war die flexible Zeiteinteilung, insbesondere der individuelle Start am Morgen. Ich persönlich würde mir ja für die Zukunft einen späteren Unterrichtsbeginn wünschen, da dies vermutlich für die Mehrheit der Schulkinder besser mit deren Biorhythmus zusammenpassen würde. Unsere älteren Kinder verlassen in der Regel sehr früh das Haus, da ja auch der Schulweg einiges an Zeit beansprucht. Da ist Stress oft vorprogrammiert.

Ein weiterer Punkt, den wir als als positiv werten, ist der Einsatz digitaler Unterrichtsmittel, der bis dato eher den Oberstufen vorbehalten blieb. Unsere Söhne eigneten sich in kurzer Zeit viel Wissen im Umgang mit dem PC an, ganz nach dem Motto “learning by doing”. Zuletzt waren die Kinder regelmäßig in Videokonferenzen beim Unterricht dabei. Mir ist als Lehrerin bewusst, dass der direkte Lehrer-Schüler-Kontakt äußerst wichtig und durch nichts zu ersetzen ist. Dennoch sollte diese Art des Lehrens auch in Zukunft eine gewisse Rolle spielen, vor allem im Hinblick auf die späteren beruflichen Anforderungen.

Wir fanden es auch toll, dass zahlreiche Lehrer auf Online Inhalte zusätzlich zu den Schulbüchern verwiesen. Plötzlich war YouTube nicht bloß mehr ein Entertainment Kanal, sondern diente auch als Informationsquelle.

Natürlich zeigte das Homeschooling auch Grenzen auf. Nicht nur einmal sprangen wir als Eltern in die Lehrerrolle, da neuer Unterrichtsstoff Fragen aufwarf. Hier konnten mein Mann und ich allerdings immer aushelfen (oder lernten selbst interessante neue Dinge dazu). Leider mangelte es in manchen Fächern an ausreichend Feedback seitens des Lehrers. Hier besteht definitiv Verbesserungsbedarf.

Generell gab es, meiner Ansicht nach, in der doch langen Phase des Distance Learnings keine ausreichende Rückmeldung für die Schüler, wie sie üblicherweise in Form von Stundenwiederholungen, Tests oder Schularbeiten erfolgt. Zwar wurde der Lehrstoff durchgenommen, doch ob er nun tatsächlich gefestigt ist, ohne abgeprüft worden zu sein, sei dahingestellt. Das setzt sehr viel Eigenverantwortung der Schüler voraus.

Besonders schade fand ich es, dass die Fächer Kunst, Musik und Sport, die nachweislich für die Entwicklung und das Gehirn sehr wichtig sind, durch das Distance Learning benachteiligt waren. Da wir als Familie täglich gemeinsam musizieren, sportlichen Tätigkeiten nachgehen und uns auch kreativ gerne austoben, sah ich hier für meine Kinder glücklicherweise keine Probleme. Wieder jedoch zeigte sich, dass wie in so vielen Bereichen, Eigeninitiative gefragt war.

Nachstellung eines Gemäldes mit Hilfe unserer Kinder

Insgesamt, so denke ich, war dieses Semester für alle Beteiligten – Schüler, Lehrer und Eltern – eine Herausforderung, die wir besser als wohl anfangs vermutet meisterten und dank der wir nun um viele Erfahrungen reicher sind. Meine drei Schulkinder werden die letzten Monate jedenfalls als eine außerordentliche, schöne Zeit in Erinnerung behalten, die ihnen ermöglichte, die ersten Monate mit ihrem neuen Geschwisterchen ganz intensiv zu erleben.

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