Manchmal passiert es…

Manchmal passiert es, dass ich den Rand gestrichen voll habe. Dass mich alles nur noch ankotzt und ich es satthabe. Dass ich einfach nicht mehr mag. Nicht, weil wieder jemand schlechte Laune hat und es an mir auslässt. Nicht, weil ich mir wieder den Arsch aufgerissen habe und es als ganz selbstverständlich hingenommen wurde. Nein. Dankbarkeit darf man sich als Mutter nicht erwarten, das sollte einem von Anfang an klar sein – dafür haben wir ja ohnehin den Muttertag… Es ist nur dieses Gefühl, stets alles für andere zu geben, sich förmlich zu zerreißen, die eigenen Wünsche immer hintanzustellen und dafür dann noch GESTRAFT zu werden, weil man es eben nie allen recht machen kann, welches mich manchmal erdrücken möchte. Dann weiß ich, es ist wieder so weit. Und gehe.

Ich schlüpfe wortlos in meine Jacke und Schuhe, lasse alles stehen und liegen, schließe die Tür hinter mir und gehe fort. Manchmal laufen und rufen sie mir dann hinterher, wollen mich beschwichtigen, fragen, ob sie mitgehen dürfen. Aber da antworte ich bereits nicht mehr. Ich gehe einfach, höre nicht mehr hin, schalte für kurze Zeit komplett aus und bin nur mit mir selbst beschäftigt. Die erste halbe Stunde sind meine Schritte noch schnell und hektisch, ein Gewittersturm braust in meinem Kopf, die Gedanken drehen sich um die Situation, die das Fass zum Überlaufen brachte. Ärger, Zorn und Tränen mischen sich und ich schimpfe innerlich auf alles und jeden. Doch mit jedem Schritt entferne ich mich von den negativen Emotionen, wird mein Tempo langsamer, mein Atem ruhiger.

Nach einer Stunde ist mein Fokus wieder auf meine Umwelt gerichtet. Das Gewitter ist vorbei. Ganz intensiv erlebe ich dann den Moment, der mir allein geschenkt ist. Achte auf die Form der Wolken, die über mir ziehen, halte inne um das Entenpaar im Fluss neben mir zu betrachten und lausche dem Rauschen des Wassers. Dann spüre ich, wie sich meine Wogen geglättet haben und weiß es ist Zeit umzukehren. Zurück zu dem Ort, dem ich vor Zorn und Wut regelrecht entflohen bin, zurück zu den Menschen, die mich manchmal zur Weißglut treiben und die ich doch über alles liebe. Und je näher ich meinem Zuhause komme, desto mehr Freude schwingt mit. Ich bin wieder im Reinen mit mir selbst und dadurch in der Lage Probleme und Schwierigkeiten ohne überschäumende Emotionen zu betrachten und Lösungen zu suchen. Manchmal braucht es ein Gewitter. Manchmal passiert es einfach.

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