Muttermilch – so gesund, so praktisch, so…VIEL!

Stillen liegt wieder voll im Trend – so scheint es zumindest, wenn man einen Blick in diverse Social Media Kanäle wirft und dort mit Bildern entblößter, Milch spritzender Brüste und zufrieden nuckelnder Säuglinge und Kleinkinder überhäuft wird. Schon interessant, wie die eigentlich natürlichste Sache der Welt dermaßen gehypt wird bzw. (leider) gehypt werden muss, damit Frauen von deren Vorteilen erst wieder überzeugt werden.

Meine persönliche Stillgeschichte beginnt vor 15 Jahren mit der Schwangerschaft meines ersten Kindes. Ich war mit dem Thema, so kann man sagen, ziemlich auf mich allein gestellt, ging aber gelassen an die Sache heran, sprich: ich hatte keinerlei Erwartungshaltung. (Noch wusste ich ja nichts von den wirklich praktischen Vorzügen des Stillens für beide Seiten, Mutter und Kind). In dem von mir besuchten Geburtsvorbereitungskurs und einigen Babybüchern lernte ich allerlei Theoretisches über Stillpositionen, Ernährung in der Stillzeit, und natürlich auch Stillprobleme. Auffallend dabei: ständig ging es darum, wie man bei zu wenig Milch die Produktion ankurbeln könnte. Noch heute ist dies vermutlich die größte Sorge vieler werdender Mütter, die unbedingt stillen wollen.

Nicht so bei mir. Ich erinnere mich, als ich in meiner ersten Schwangerschaft eines Morgens, es war so um die 30. Ssw, in einem komplett durchnässten Shirt aufwachte, die Matratze unter mir ebenfalls vollkommen durchtränkt. Zugegeben, ich war geschockt. Und hatte dazu gelernt: bei manchen Frauen beginnt die Brust sich eben schon frühzeitig auf die Milchproduktion einzustellen. Jetzt wusste ich auch, warum sich meine bis dato überschaubare Oberweite innerhalb kürzester Zeit mehr als verdoppelt hatte.

Die letzten 2 Schwangerschaftsmonate bedeuteten für mich also jedes Mal: „Nie ohne meine Stilleinlagen“. Auch jetzt, gegen Ende meiner 4. Schwangerschaft, musste ich mir diese bereits zulegen, um nicht mit unschönen Flecken auf der Kleidung umherzulaufen oder nachts in einer Pfütze aufzuwachen. Noch greife ich dabei auf waschbare Mehrweg-Pads aus Stoff zurück. Doch ich weiß, dass ich mit der Geburt des Babys wieder zu Einweg-Einlagen werde wechseln müssen. Denn vermutlich werde ich auch beim 4. Kind vor dem Problem stehen, das selten als solches betrachtet wird: zu viel Milch. Wie oft hörte ich andere Mütter sagen: „Ach, ich wünschte wir könnten tauschen!“ oder „Sei doch froh! Was kann dir Besseres passieren?“ Nun ja, natürlich war ich immer froh, nie über Milchmangel klagen, geschweige denn zufüttern zu müssen, aber ich bin ehrlich, wenn ich sage, dass ein Zuviel des Guten auch nicht lustig ist, ja, zu größeren Problemen führen kann (siehe: Vom Essensverweigerer, der nicht schlafen wollte).

Noch heute beneide ich Frauen, die ohne Stilleinlagen auskommen, während für mich jedes Anlegen des Säuglings das Mitführen und den Einsatz mehrerer Stoffwindeln verlangte und ich nachts trotz Stilleinlagen stets ein Badetuch als Unterlage benötigte. Eine gewisse Routine jedoch, die ich mir rasch aneignete, half mir, die Sache ein wenig gelassener zu nehmen. Und da für mich das Wohlergehen des Kindes stets über meinem eigenen stand, war mir immer klar, dass ich dieses Stilldings durchziehen würde, auch wenn es mich manchmal nervte. Was ich mir diesmal allerdings wirklich wünschen würde, ist, dass auch Nr 4 ein Baby wird, das sich angesichts der Milchmassen nicht irritieren lässt, sondern einfach gern und viel trinkt.

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