Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum…

Weihnachten ist für uns, wie vermutlich für viele andere Familien auch, das wohl bedeutendste Fest im Jahr. Wirklich jeder fiebert dem Heiligabend und den kommenden Tagen entgegen, wenn wieder die gesamte Familie versammelt ist, um Jesu Geburt zu feiern. Der Christbaum ist dabei immer das zentrale Element und für uns alle in gewisser Weise ein Symbol für Gemeinschaft.

Das Schmücken des Baums ist bei uns schon seit langem (bedingt durch unser offenes Erdgeschoß) ein Unterfangen, das gemeinsam mit den Kindern in Angriff genommen wird. Über die Jahre hat es sich zu einer wunderschönen Tradition entwickelt, die keiner von uns missen möchte. Bei den Großeltern läutet nach wie vor traditionell erst das Glöckchen, bevor man ins Wohnzimmer treten darf, um den leuchtenden Baum zu betrachten.

War das Christbaum Aussuchen bislang meist mein Job gewesen, so beschloss ich dieses Jahr, die gesamte Familie miteinzubeziehen und fand Gefallen an der Möglichkeit den Baum sogar selbst zu fällen. In der Familienkarosse machten wir uns also auf zum nahgelegenen Bio Bauernhof und durchforsteten die große Christbaumplantage nach dem für uns perfekten Baum. Immer, wenn jemand „Hier! DER ist doch schön!“ rief, versammelten wir uns zu fünft und beratschlagten, bis wir nach gut 20 Minuten die Tanne fanden, die ausnahmslos allen gefiel. Schon wurde die Säge gezückt und das gute Stück vom Familienoberhaupt, unter fachmännischer Aufsicht der zwei Söhne, umgeschnitten. Jeder packte mit an, bis der Baum schließlich gut im Auto verstaut war. Nach einem kurzen Besuch im Schafstall ging es ab nach Hause.

Gestern wurde der Baum schließlich aufgestellt. Das läuft dann übrigens nicht immer so harmonisch ab, wie man vielleicht meinen würde. „Der ist ja ur schief jetzt!“, „Die Seite gehört aber nach hinten!“, „So passt die Spitze dann nicht mehr drauf, siehst du das nicht?!“ – mein armer Mann wird nicht selten mit Kritik überhäuft, bis der Baum endlich so steht, wie die anderen das wollen. Aber dann kommt sie wirklich auf, die Stimmung, auf die wir uns jedes Jahr schon so freuen. Wenn die Christmas Playlist läuft, sämtlicher Schmuck am Tisch ausgebreitet liegt und der Keksteller in Griffweite steht. Wenn alle den besten Platz für die schönsten Kugeln und Ornamente suchen und der Baum mehr und mehr Gestalt annimmt.

Natürlich kommt es vor, dass das eine oder andere Stück zu Bruch geht, wenn die Kinder mit anpacken. Aber Hand aufs Herz: wer von euch hat nicht auch schon einmal unabsichtlich eine Kugel fallen lassen oder zu unsanft behandelt? „Scherben bringen Glück!“, sage ich dann. Und die mir wertvollsten Teile hänge ich ohnehin selbst auf, damit ich zumindest selbst schuld bin, sollte etwas damit passieren. Wenn wir das fertige Werk dann bestaunen, kommen wir jedes Jahr zu dem Entschluss: „So einen schönen Baum hatten wir noch nie!“ Und ich summe glücklich und leise „Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum…“.

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