Stille, Stille, kein Geräusch gemacht…

Advent – die stille Zeit im Jahr. Endlich kehrt auch bei uns etwas …. Halt. Ihr dachtet doch jetzt nicht allen Ernstes…. Leute, ich habe drei Kinder, zwei davon Jungs. Da ist nichts mit „Stille Zeit“. Da mutiert „Stille, Stille, kein Geräusch gemacht“ zu einem regelrecht lachhaften Weihnachtslied, dessen Text reines Wunschdenken beschreibt. So erst diese Woche bei uns:

„Maaama! Jetzt hat er mir meinen Zahn ausgeschlagen!“ – Mit vorgehaltener Hand kommt der Mittlere ins Bad gelaufen und fängt an Blut ins Waschbecken zu spucken. Wäre ich vor ein paar Jahren noch halbwegs hysterisch um den Erste Hilfe Koffer gelaufen, bin ich heute wesentlich gelassener. Hat man einmal zwei oder mehr Jungs, ändert sich das Leben schlagartig.

Corpus delicti – ein (bereits wackelnder) Stockzahn

Rückblick. Aufgewachsen mit einer jüngeren Schwester und einem kleinen Bruder waren mir körperliche Auseinandersetzungen und Rangeleien in meinem Elternhaus fremd. Anders verhielt es sich, wenn wir bei den Großeltern zu Besuch waren und ich auf eine Horde Cousins traf. Wie angewurzelt stand ich oft in Omas Hof und hielt mich lieber im Abseits auf, um die wilden Kerle aus sicherer Distanz zu beobachten. Damals war ich entsetzt ob des rauen Umgangstons und Schabernacks, der getrieben wurde. Heute weiß ich es besser.

Meine (vermutlich durch meine Kindheitserlebnisse bedingte) Traumvorstellung von einer Familie mit drei Töchtern wurde in meiner zweiten Schwangerschaft zerschlagen. Während alle glücklich waren, dass es diesmal ein Junge war, brauchte ich lange, um mich an den Gedanken zu gewöhnen. Heute bin ich überzeugt davon, dass jede Mutter das Kind bekommt, das sie braucht. Für mich waren das nach unserer Tochter zwei Jungs.

Jungs sind anders. Lauter, stürmischer, wilder, oft auf körperliche Konfrontation aus. Daraus resultiert logischerweise auch ein höheres Verletzungsrisiko, von dem ich nach all den Jahren mit meinen Rabauken (die im Verhältnis zu anderen eigentlich eher noch von der harmloseren Sorte sind) ein Lied singen kann. Und wer jetzt denkt: „Wie kann man nur so schrecklich verallgemeinern! Schlimm, wenn Jungs auf diese Weise gleich in eine Schublade gesteckt werden“: Klar gibt es zahlreiche Ausnahmen. Es spielen ja schließlich viele Faktoren eine Rolle in der Entwicklung. Meine jahrelangen persönlichen Erfahrungen mit jährlich zwischen 100 und 150 Kindergarten- und Volksschulkindern und jene aller anderen Lehrer in meiner Familie lassen sich aber nicht einfach von der Hand weisen.

Jungs brauchen eine andere Handhabe, verlangen von ihren Eltern ganz andere Dinge ab als Töchter. Genau deshalb liebe ich sie so. Sie lehren mich Gelassenheit. Sind ein Beweis dafür, dass eine Auseinandersetzung auch ganz rasch und ohne viel Drama wieder erledigt und man sofort wieder Best Friends sein kann. Sie zeigen vor, wie man durch körperliche Ertüchtigung (die leider vielerorts fehlt!) wieder etwas runterkommen und ruhiger werden kann. Zumindest für kurze Zeit. Denn wenn ich eins gelernt habe in all den Jahren: ganz still ist es nie. Und wenn, dann sollte einem das zu denken geben.

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