Vertrauen ist gut, Kontrolle ist…. besser? – Medienkonsum im Schulkindalter

In nahezu allen Bereichen der Kindererziehung gibt es gespaltene Lager und Ansichten von Eltern, die der festen Überzeugung sind, ihre Herangehensweise wäre die richtige – so auch was den Umgang mit Smartphones und sozialen Medien angeht. Zwar sind sich die Erwachsenen einig, dass die virtuelle Welt große Gefahren birgt, vor denen es das Kind zu schützen gilt, doch wie genau dies am besten geschehen sollte, hier scheiden sich wieder die Geister.

Ich möchte gern meine Sicht als Mutter dreier Schulkinder (knapp 15, 12 & 9) darlegen und schildern, wie wir das Thema als Familie handhaben und welche Unsicherheiten und Unklarheiten es auf Elternseite nach wie vor gibt. Denn eines vorweg: den einzig wahren, richtigen, für jedes Kind passenden Lösungsweg gibt es nicht.

Als ich kürzlich in eine Instagram Diskussion auf einem englischsprachigen Thread verwickelt wurde und erkannte, wie konträr Eltern doch teilweise denken und handeln, wurde mir bewusst: hier gibt es eine Menge Diskussionsbedarf. „Mein Kind hat kein Recht auf Privatsphäre“ lautete der provokante Einleitungssatz dabei, der klarstellte, dass Eltern die Smartphones ihrer Kinder zu deren Schutz stets überwachen sollten. Wir alle wissen, dass diese Art von Handy den Schlüssel zu einer anderen, gefährlichen Welt bietet. Ein Grund also das Gerät zu verteufeln und komplett aus dem Leben unserer Kinder zu verbannen? Ich denke nicht. Verbote bewirken nämlich ohnehin meist das Gegenteil: das Interesse und die Neugier werden dadurch erst so richtig geweckt. Nicht zu vergessen die Ausgrenzung und Häme, die ein Schüler erfährt, der heutzutage kein Smartphone besitzen darf. Ob es jedoch unbedingt in die Hände eines 6-jährigen gehört, wage ich anzuzweifeln. In unserer Familie gab es jeweils erst mit Eintritt in eine höhere Schule, also mit ca. 10 Jahren, ein Gerät, das mehr als bloßes Telefonieren erlaubt.

Gespräch unter 8-jährigen: “Mein Handy kann NUR telefonieren! Voll blöd…”

Für Art und Dauer des Gebrauchs wurden dabei von Anfang an klare Regeln kommuniziert. Verschiedene Familien-Apps erlauben zB. die Bildschirmzeit einzuschränken oder eine Genehmigungsanforderung für den Download neuer Spiele-Apps zu verlangen. So hat man stets eine gewisse Übersicht darüber, was das Kind am Smartphone so treibt. Der wichtigste Punkt jedoch ist und bleibt ein aktiver Dialog und Aufklärung darüber, dass es leider böse Menschen gibt, die einem Schaden zufügen wollen. Man sollte konkrete Beispiele (WhatsApp Kettenbriefe, Chat Aufforderungen von Fake Accounts, Öffnen von Dateianhängen, Senden eigener Fotos, …) nennen und besprechen und dem Kind ganz unmissverständlich klar machen, dass es sich immer an einen wenden kann und auch soll, wenn ihm etwas komisch vorkommt. Genauso wenig, wie wir unsere Kinder im echten Leben vor allen möglichen Gefahren fernhalten können, können wir dies in der virtuellen Welt tun. Denn: Zugang zu dieser bietet nicht nur das eigene Smartphone, sondern eben auch das des Freundes.

Ist geheime Überwachung also die Lösung für das Problem und allzu besorgte Eltern? Ich fand es äußerst interessant, wie viele tatsächlich für diese Form der Kontrolle plädierten, mit der Begründung der elterlichen Verantwortung und des Kindsschutzes. Nun bin ich selbst eine äußerst bedachte und verantwortungsvolle Mutter, die ihre Kinder nicht ohne weiteres mit dem Feuer spielen lässt. Doch kommt wie gesagt der Zeitpunkt, an dem man einem Kind eine gewisse Eigenständigkeit und Privatsphäre zugestehen sollte, ohne, dass man ständig Überwachung ausübt – einfach, weil man darauf vertraut, dass man dem Kind einen Grundstein gelegt hat für den Umgang mit sozialen Medien. „Aber wie kann man dann sicher sein, dass dieses Vertrauen nicht gebrochen und missachtet wird, wenn man es nicht kontrolliert?“ lautete eine interessante Frage. Nun, genau das ist doch der Punkt des Vertrauensverhältnisses. Es basiert schließlich auf Gegenseitigkeit. Für manche Eltern scheint es vollkommen in Ordnung zu sein mit heimlichem Ausspionieren ihrerseits dieses Vertrauen aufs Spiel zu setzen. Für mich ein No-Go.

Was man man natürlich schon anmerken muss, ist, dass komplett freie Handhabe ein großes Risiko birgt und bei manchen Kindern generell bis ins Teenager Alter nicht in Frage kommt. Denn es gibt sie, die Draufgänger und Rebellen, die einem gern das Blaue vom Himmel erzählen und Regeln prinzipiell in Frage stellen bzw. missachten. Diese Kinder bedürfen engmaschigerer (aber nicht heimlicher) Kontrollen, die ihrer eigenen Sicherheit dienen, während anderen mehr Freiheiten gewährt werden können. Als Eltern ist es dann natürlich oft nicht einfach, wenn Geschwisterkinder ganz unterschiedliche Handhabe erfordern und dies als ausgesprochen unfair empfinden. Doch wie eingangs erwähnt: für alle gültige Richtlinien können in diesem Zusammenhang nur begrenzt aufgestellt werden. Im Endeffekt gilt es jedes Kind nach Alter, Reife, Charakter und Neigungen individuell zu betrachten.

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